Zu Gast bei @derEduTalk

Am 4. Februar 2021 war ich zu Gast beim Edu-Talk. Dort habe ich über die Entwicklung unserer Schule (nicht nur) im vergangenen Jahr gesprochen und wie wir es geschafft haben, mit Landeslösungen einen wichtigen Schritt in Richtung „gelingender Distanzunterricht“ mit Mehrwert für den Präsenzunterricht zu gehen. #Moodle mag sperrig sein, eignet sich aber durchaus für die Organisation von digitalen Lernumgebungen. Welche Faktoren sonst noch eine Rolle gespielt haben, erfahrt ihr im Edu-Talk.

#Fernlernen

Eine Chronik

Ein knappes Jahr nach der letzten #Schulschließung sind wir am vergangenen Montag in die zweite Runde #Fernlernen gegangen. Ich nenne es nicht #Homeschooling, weil mit diesem Begriff andere Konzepte verbunden sind. Da ich immer mal wieder gefragt werde, „wie wir das denn so machen“, will ich hier einen kurzen Abriss unseres Konzeptes geben, das sich für uns bislang bewährt hat. Die Überlegungen, die zu diesem Konzept geführt haben, möchte ich in folgenden Abschnitten chronologisch vorstellen:

  1. Erfahrungen aus der Schulschließung im März 2020
  2. Schulentwicklungsprozesse zwischen März 2020 und Januar 2021
  3. Best Practise im Januar 2021

1. Erfahrungen aus der Schulschließung im März 2020

Die Schulschließung im März 2020 hatte uns alle kalt erwischt. An unserer Gemeinschaftsschule gab es zwar schon digitale Plattformen, Moodle wurde als „Materialllager“ vorwiegend für die Sekundarstufe genutzt, die Nutzung für die Primarstufe war angedacht, jedoch noch nicht wirklich umgesetzt.

Auch, wenn meine Kollegin Katrin Wahlich und ich uns gleich zu Beginn der Schulschließung ins digitale Abenteuer gestürzt hatten, Videokonferenzsysteme ausprobiert, Unterrichtsinhalte auf Webseiten geladen, gefilmt, verlinkt, Apps erprobt und wieder verworfen hatten – eins blieb bis zur Rückkehr in die Schule frustrierend: Der fehlende Zugang vieler Schüler*innen zu angemessenen digitalen Arbeitsgeräten und ausreichend dimensionierten Internetzugängen. Bis zum Schluss war es schwierig, den Kontakt zu halten und so blieb oft nichts als das gute alte Telefon oder der persönliche Besuch mit physischer Materialausgabe. Uns war völlig klar, dass das keine geeigneten Voraussetzungen für einen gelingenden Fernunterricht sein konnten.

2. Schulentwicklungsprozesse zwischen März 2020 und Januar 2021

Noch im Schuljahr 2019/20 entschieden wir uns im Rahmen der Gesamtlehrerkonferenz, für alle Lerngruppen an der Anne-Frank-Schule Karlsruhe Moodle-Kurse anzulegen, auch, wenn zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht absehbar war, wie lange uns diese Pandemie im Griff behalten würde. Unser Motiv und unsere Vision war: Auch außerhalb von Pandemiezeiten ist es mehr als sinnvoll, das Lernen in den digitalen Raum zu erweitern und diesen zu nutzen, um Schüler*innen dabei zu begleiten, damit sie lernen sich sicher im zwischen all den Hyperlinks zu bewegen.

Über die Entscheidung für Moodle als Lernmanagementsystem (LMS) und den Weg zu unserer heutigen Struktur habe ich Ende des vergangenen Jahres einen Bericht für die GEW-Mitgliederzeitschrift b&w geschrieben. Hier ist er zu lesen. Das gesamte Heft gibt es hier.

Im Hinblick auf die gegenwärtige Situation war die Entscheidung für eine konsequente Etablierung von Moodle als Lernmanagementsystem und die Fortbildung und Begleitung aller Kolleg*innen entscheidend für einen vergleichsweise reibungslosen Übergang ins Fernlernen. Dass diese Entscheidung so fiel, war überhaupt nicht selbstverständlich. Alle Vorzeichen zu Beginn des Schuljahres 2020/21 standen auf Präsenz um jeden Preis und angesichts von Kohortenbildung, Masken und Abstand eine Rückkehr zum lehrerzentrierten Unterricht. Dennoch gab es an der Anne-Frank-Schule einen pädagogischen Nachmittag zum Thema „Moodle“ für alle Lehrer*innen, es gab dazu eine Challenge in der Grundschule und im Rahmen der Einschulung Workshops für Eltern. Wir wollten alles tun, um Hürden abzubauen und allen Kindern die Teilhabe an digitalen Lernwelten zu eröffnen. Hinzu kam die Bestellung von digitalen Endgeräten, um diese als Leihgeräte zur Verfügung stellen zu können.

Um die Hürden für digital noch nicht so affine Kolleg*innen abzuräumen, entwickelten wir Musterkurse für verschiedene Szenarien: #Fernlernen, #Hybridunterricht und #Quarantäne. Für den Fall einer möglichen Schulschließung erarbeitete eine Gruppe von Kolleg*innen Grundprinzipien für den Distanzunterricht und außerdem Musterstundenpläne, die an den vom Kultusministerium herausgegebenen Qualitätskriterien Fernlernen orientiert sind:

Quelle: https://km-bw.de

3. Best Practise im Januar 2021

Aufgrund dieser Vorüberlegungen starteten wir am vergangenen Montag mit folgender Struktur in die 2. Phase des Fernlernens:

Stundenplan der Lerngruppe 5 basierend auf dem zuvor erarbeiteten Musterstundenplan Fernlernen

Zur Erläuterung möchte ich folgende Punkte bemerken:

  • Stundenplan bedeutet nicht, dass die Kinder tatsächlich die ganze Zeit Videokonferenzen haben. Da die Schüler*innen in Lerngruppe 5 noch sehr jung sind und eine verlässliche, von außen gegebene Struktur oft brauchen, sind zu diesen Zeiten Lernbegleiter*innen aus den jeweiligen Fächern ansprechbar: Per Videokonferenz oder per Chat in Moodle
  • Wichtig waren uns die Leitplanken im Tagesablauf. Auch im Präsenzunterricht der Gemeinschaftsschule wird spätestens in Lerngruppe 5 die Tages- und Lernplanung mithilfe des Lerntagebuches sukzessive angebahnt. Ziel ist es, dass die Kinder über das eigene Lernen nachdenken und sich Ziele setzen können, die sie planvoll anstreben.
  • Dabei gibt es so viel Freiheit wie möglich und so viel Struktur wie nötig.
  • Jeden Morgen treffen wir uns zum gemeinsamen virtuellen Tagesstart. Wir versorgen die beiden Lerngruppen in Jahrgang 5 gemeinsam als Team und haben so die Möglichkeit, dass wir uns mit den virtuellen Anwesenheiten der Lernbegleiter*innen gut abwechseln können.
  • Es gibt einen Wochenplan, in den alle Lernbegleiter*innen eintragen, was in der jeweiligen Woche zu erledigen ist.
  • Am Ende des Vormittags gibt es ein weiteres virtuelles Treffen, bei dem wir die Kinder fragen, was sie geschafft haben, ob es Probleme mit der Menge der Arbeitsaufträge gab und wie es ihnen gelungen ist, ihr Lernen zu dokumentieren. Rückmeldungen können natürlich immer auch über das virtuelle Lerntagebuch (Hier die Lehrer*innenansicht in Moodle) gegeben werden.
  • Freitags findet der virtuelle Klassenrat statt – Auch in Pandemizeiten nach bewährtem Ablauf mit Moderation durch die Schüler*innen: Positive Runde – Besprechung von Anliegen und Finden von Lösungen. Wir üben wertschätzende Sprache und würdigen Geleistetes.
  • Für den Tag und die gemeinsame Arbeit der Schüler*innen haben wir ständig verfügbare virtuelle Gruppenräume eingerichtet, in denen selbstständig und kooperativ gearbeitet werden kann.

Am Ende der Woche können wir bislang sagen: Die Struktur hat sich so bewährt. Natürlich lernen wir ständig hinzu und entwickeln uns weiter. Schule ist lernende Organisation und ich kann bis zum heutigen Tag sagen: Insbesondere in digitalen Belangen hat es in den vergangenen Wochen und Monaten einen Entwicklungsschub gegeben, den niemand für möglich gehalten hätte. Lasst uns diesen Schub nutzen und pädagogische mit digitalen Belangen verknüpfen. Tragend sind hierfür die Grundgedanken der Gemeinschaftsschule: Vielfalt, Kooperation, Teamarbeit, wertschätzende Kommunikation, Blick auf den Einzelnen als Teil der Gemeinschaft.

Schritt für Schritt

Der Nebel lichtet sich langsam, der Horizont ist allerdings weiterhin versteckt, der Blick reicht nur ungefähr zwei Wochen weit.

Wir wissen nun: Ab dem 4. Mai kehren in Baden-Württemberg die ersten Schüler*innen in die Schule zurück, zunächst jedoch nur die Abschlussklassen und diejenigen, die im nächsten Jahr Prüfung haben. Wie genau das organisiert werden soll, welche Hygiene- und Abstandsregeln gelten werden, wissen wir noch nicht. Die Schulen werden durch die Verwaltung genauere Anweisungen erhalten und sollen die Zeit bis zum 4. Mai nutzen, um sicherzustellen, dass die Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden können.

Ab dem 18. Mai finden die zentralen Abschlussprüfungen statt. Die genauen Termine findet man hier. Für unsere Schule sind folgende Termine wichtig:
Die Realschulabschlussprüfung beginnt am Mittwoch, den 20. Mai mit dem Fach Deutsch. Es folgen Mathematik am 25. Mai und Englisch am 27. Mai.
Die Hauptschulabschlussprüfung beginnt am Dienstag, den 16. Juni mit Deutsch. Hier folgen Mathematik am 18. Juni und Englisch am 22. Juni.

Wie genau wir die davon betroffenen Schüler*innen auf diese Prüfungen vorbereiten sollen, wissen wir noch nicht. Es ist jedoch klar, dass ca. 25% der Lehrer*innen, die momentan an unseren Schulen arbeiten, zu Risikogruppen zählen, weil sie über 60 Jahre alt sind, Vorerkrankungen haben oder schwanger sind und deshalb nicht dazu verpflichtet werden können, in die Schule zu kommen. Es kann auch sein, dass Schüler*innen selbst oder deren Angehörige zu dieser Gruppe gehören. Sie müssen ebenfalls nicht in die Schule kommen. Für Schüler*innen, die sich nicht auf ihre Prüfung vorbereiten können, weil sie nicht am Unterricht teilnehmen können, werden Nachtermine angeboten.

Klar ist, dass es keinen Normalbetrieb in den Schulen geben wird. Die Schüler*innen müssen in der Schule und auf dem Pausenhof den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten, was heißt, dass deutlich weniger Personen in einem Klassenzimmer untergebracht werden können, als das üblicherweise der Fall ist. Es müssen deshalb auch neue Pausenregelungen gefunden werden. Der Unterricht wird sich auf die inhaltlichen Schwerpunkte der Prüfungsfächer beschränken.

Für unsere Siebtklässler heißt das: Wir können überhaupt nicht sagen, wann und ob es für sie in diesem Schuljahr noch einmal eine Schule in der Schule geben wird. Ehrlich gesagt halte ich es eher für unwahrscheinlich. Immerhin wurde die Möglichkeit der Notfallbetreuung auf Siebtklässler ausgeweitet.

Wir befinden uns immer noch in der Phase der Kontaktsperre und wir werden noch eine Weile Geduld haben müssen, bis wieder so etwas wie „Normalität“ in unserem Schulleben einkehren wird.

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein bundesweites Netzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, Schulen im Einsatz für Menschenwürde zu vernetzen. Die Anne-Frank-Schule Karlsruhe ist seit 2017 eine von über 3000 Schulen in Deutschland, an der sich Schüler*innen aktiv gegen jede Form von Diskriminierung einsetzen und sich dazu verpflichtet haben, mindestens jährlich ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchzuführen.

Wir haben in den vergangenen drei Jahren vielfältige Projekte, wie zum Beispiel im vergangenen Schuljahr einen Anne-Frank-Tag, durchgeführt und sind deshalb auch gerne bereit, im Rahmen einer Online-Videokonferenz am kommenden Mittwoch, den 8. April 2020, darüber zu berichten.

„Courage!“ – was Bildung, Rassismus und Vorurteile miteinander zu tun haben

Videokonferenz mit Dr. Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter der Landesregierung BW, für und mit der Gemeinschaftsschul-Community
Impulsvortrag – Praxisbeispiele – lebendige Diskussion
8. April 2020, 15 bis ca. 17 Uhr
Kostenlose Anmeldung unter info@gmsbw.de

Meine Kollegin Katrin Wahlich und ich werden als Vertreterinnen der Anne-Frank-Schule Karlsruhe dabei sein und unsere Schule und ihre Projekte vorstellen!

Unmöglichkeiten

Mein Lehrerinnenleben besteht derzeit oft aus Halbsätzen. Es reicht völlig, unausgesprochene Gedanken fortzuführen, weil die dazugehörigen Hauptsätze ohnehin immer dieselben sind.

Ich hätte vieles nicht für möglich gehalten.

Dass ich an einem Dienstagmorgen Ende März in einer Geisterschule einsam Arbeitsmaterial für Schüler*innen kopiere, die ich, wenn überhaupt, nur noch per Post erreiche. Um die ich mir Sorgen mache. Nicht, weil sie irgendwelche grundsätzlich aufholbaren Lerninhalte versäumten. Ich sorge mich, weil ich genau weiß, dass ihnen die Struktur abhanden gekommen ist und weil ich sie über die Wege, die mir ansonsten bleiben, nicht erreiche.

Dass ich Stunden damit zubringe, digitale Kommunikationstools zu testen, zu improvisieren, mit Standbildern zu kommunizieren, fragmentarisch übertragene Sätze im Geiste zu ergänzen, um mir den dahinterstehenden Sinn zusammenzureimen und, versehen mit Gamingkopfhörern, vor der Kulisse meiner Arbeitszimmerbücherwand den Großteil meines Arbeitstages verbringe.

Dass der erste außerfamiliäre Sozialkontakt des Tages in einem virtuellen Lehrerzimmer stattfindet und dass selbst Kolleg*innen, die den virtuellen Segnungen der Neuzeit bislang eher skeptisch gegenüberstanden, diesen zur Gewohnheit gewordenen Termin als wichtig und stabilisierend empfinden.

Dass ich täglich teilweise Stunden telefoniere, mit Schülern, die von den technischen Möglichkeiten überfordert sind, mit Eltern, die den pubertären Ausbruchsversuchen ihrer Kinder handlungsunfähig gegenüberstehen, mit Kolleg*innen, um mich abzustimmen, auszutauschen, Probleme zu lösen, Fragen zu klären.

Dass ich so unendlich müde bin, obwohl ich das Haus fast nur noch zu täglichen Spaziergängen auf leeren Straßen mit gebührendem Abstand zu anderen Menschen verlasse und zusehen muss, dass ich nicht auf meinem Schreibtischstuhl einroste.

Und dass ich am Ende weiß, dass diese Unmöglichkeiten nichts sind, im Vergleich zu den existenziellen Ängsten, die viele Menschen in diesen Zeiten umtreiben.

Vor dem Zaun des Kindergartens hier im Ort haben Kinder bemalte Steine abgelegt. In den Fenstern von Häusern, in denen Kinder leben, hängen Bilder mit Regenbögen. Zeichen der Hoffnung. Dass das für unmöglich Gehaltene endlich sein wird.

Tagebuch

Eltern können nur Rat oder gute Anweisungen mitgeben, die endgültige Formung seines Charakters hat jeder selbst in der Hand. Dazu kommt noch, dass ich außerordentlich viel Lebensmut habe, ich fühle mich immer so stark und im Stande, viel auszuhalten, so frei und so jung!

Anne Frank am 15. Juli 1944

Wir haben unsere Schüler*innen in diesen Wochen dazu ermutigt, Texte zu schreiben, aufzuschreiben, was sie gerade so denken, wie es ihnen geht und was um sie herum geschieht. Manchmal hilft es ja, eine unwägbare Situation in Worte zu fassen und eine Sprache für das Unfassbare zu finden, um ihm eine Gestalt zu verleihen. Ich muss gestehen, dass mir selbst im Fluss des Schreibens die Wörter viel leichter von der Hand gehen, als durch die gesprochene Sprache. Vielleicht liegt es daran, dass sie in der Schrift eine sichtbare Gestalt erhalten. Dinge, die ich nur sage und nicht schreibe, geraten auch mir selbst sehr schnell wieder in Vergessenheit. Und manchmal, wenn ich etwas wiederfinde, was ich vor Jahren irgendwann einmal aufgeschrieben habe, bin ich zwar zunächst überrascht, dass ein scheinbar vergessener Text tatsächlich von mir stammt, beim Lesen tauche ich jedoch sogleich wieder in die Situation der Entstehungszeit ein. Es ist so, als ob der Text in irgendeinem Geheimfach die dazugehörigen Gefühle, Gerüche und Geräusche mit sich trüge. In einer Welt, die zunehmend von bewegten und unbewegten, oft aber geschönten Bildern bestimmt und überflutet ist, gerät in Vergessenheit, dass das Schreiben und spätere Lesen eines Textes den Augenblick dehnt, einen zwingt, sich zu verlangsamen, durchzuatmen, abzuwarten und manchmal auch Geduld zu üben.

Unsere Schule ist nach einem Mädchen benannt, dessen Tagebuch eines der wahrscheinlich berühmtesten und meistübersetzten Bücher dieser Welt ist: Annelies Marie, bekannt als Anne Frank. Alle unsere Schüler*innen der Anne-Frank-Schule Karlsruhe kennen die Geschichte dieses Mädchens, das durch das Tagebuch in der Enge seines Verstecks einen Raum für seine Gedanken und Träume fand. Die Jugendliche Anne erlebte in dieser Zeit, die mehr als zwei Jahre dauern sollte, ihre Pubertät, die erste zarte Liebe, Konflikte mit ihren Eltern und den Mitbewohnern. Da die Geschichte hinlänglich bekannt und vielfach in den unterschiedlichsten Medien verarbeitet wurde, möchte ich hier gar nicht näher darauf eingehen. Wir alle wissen, dass sie schrecklich endete. Das Tagebuch dokumentiert eindrücklich, dass hinter unfassbar großen Zahlen des Schreckens Menschen mit Geschichten, Träumen und Gedanken stehen. Menschen mit Familien. Menschen, die liebten, hofften und verzweifelten.
Es ist wichtig, das nie zu vergessen.
Auch aus diesem Anliegen heraus ist unsere Schule 2017 Mitglied des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ geworden. Eigentlich hätten wir uns am Dienstag der vergangenen Woche mit vielen anderen Netzwerkschulen der Stadt anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Netzwerkes auf dem Karlsruher Marktplatz getroffen, um daran zu erinnern, dass Mobbing, Intoleranz und Ausgrenzung an unserer Schule keinen Platz haben. Wir kümmern uns umeinander und gehen wertschätzend miteinander um. Deshalb sind wir auch Gemeinschaftsschule, eine Schule für alle Kinder und Jugendlichen. Wir leben und lernen gemeinsam. Dass dieser Geist Früchte trägt, zeigt sich für uns im Umgang der Schüler*innen miteinander und mit uns. Sie helfen einander. Sie erkundigen sich nach uns und anderen, die fehlen, wollen wissen, wie es ihnen und uns geht.

Einige Schüler*innen treffen sich derzeit täglich um 17 Uhr mit mir noch einmal in einer Videokonferenz. Es ist ein freiwilliges Angebot. Manchmal geht es darum, letzte Fragen zu klären, oft nutzen sie diese Zeit aber auch, um noch einmal mit mir in den Austausch gehen zu können, gelegentlich erzähle ich ihnen einfach irgendetwas und sie hören zu. Heute habe ich ihnen und mir selbst folgende Frage gestellt: „Stellt euch vor, ich hätte euch letztes Jahr um diese Zeit erzählt, dass heute in einem Jahr die Schule geschlossen sein würde und ihr statt im Klassenzimmer zu Hause vor dem Smartphone oder dem PC den Deutschunterricht verfolgen würdet, wer von euch hätte mir das geglaubt?“

Ich hoffe und wünsche mir, dass manche unserer Schüler*innen die Einladung zum Schreiben annehmen und den Mut und die Geduld aufbringen werden, diese Zeit für sich zu dokumentieren.

Shutdown

Schneebedeckte Berge in Tirol. Vor knapp drei Wochen war das mein Ausblick. Noch ahnte niemand, dass nur kurze Zeit später niemand mehr diese Pisten hinabfahren würde. Dass in unserem Nachbarland Österreich alle Hotels geschlossen, alle Lifte stillstehen und Ausgangssperren verhängt sein würden. Die Freiheitsrechte der Bevölkerung sind mittlerweile massiv eingeschränkt worden. Wegen eines Virus. COVID-19. Corona. Krone. Heiligenschein. Königswürde. Wer hätte gedacht, dass ein Wort, dessen Übersetzung solch prächtige und herrschaftliche Assoziationen weckt, jemals als so bedrohlich empfunden werden könnte?

Nun ist es also auch hierzulande so weit. Heute morgen war zum letzten Mal die Schule geöffnet. Wir leben in Baden-Württemberg, der Übergang sollte „geordnet“ erfolgen. Eigentlich war alles fast normal. Viele Schülerinnen und Schüler waren noch da, es war fast wie immer: laut, lustig, lebendig. Aber hie und da – es gab sehr viel zu erklären und zeitweise war es offensichtlich sehr anstrengend zuzuhören – war die Stimmung auch nachdenklich, leise, betroffen. Wir alle wissen noch nicht, was diese Zeit mit uns machen wird. Ob es uns schwerfallen wird, eine Weile auf die geliebtgehasste Schule zu verzichten. Ob und wie wir in Kontakt bleiben werden. Ob dieses hehre Ziel: „Wir erarbeiten uns die Lerninhalte selbstständig und alleine zu Hause“ erreichbar erscheint. Denn die Umstände sind alles andere als optimal.

Die digitale Infrastruktur, die unser Dienstherr uns zur Verfügung stellt, ist kaum geeignet, um Schule virtuell einfach fortzusetzen. Es könnte ja so wunderbar einfach sein: Die Schüler*innen sitzen nun zu Hause und die Lehrer*innen setzen ihren Unterricht mittels Videochat und Webinar fort. Auf virtuellen Lernplattformen, die natürlich den Maßgaben der DSGVO entsprechen. Schöne neue Welt.

Mithin, die einfach nutzbare und vielseitige cloudbasierte Lernplattform gibt es nicht. Die vom Land den Schulen zur Verfügung gestellte Lernplattform Moodle eignet sich kaum für Schüler*innen unterhalb der Oberstufe. Und selbst, wenn es das optimale Instrument auf Schulseite gäbe: Bei weitem nicht jeder Haushalt verfügt über eine entsprechende digitale Ausstattung. Zwar besitzen die meisten meiner Schüler*innen durchaus leistungsfähige Smartphones, einen sinnvoll nutzbaren PC gibt es jedoch in vielen Familien nicht, geschweige denn einen Drucker, auf dem virtuell zur Verfügung gestellte Arbeitsblätter ausgedruckt werden könnten. Da die Bibliotheken und andere öffentlich zugängliche Orte, wo man einen PC und einen Drucker nutzen könnte, nun geschlossen sind, bleibt vielen Schüler*innen diese Möglichkeit verschlossen. Ich finde ja, das Wort „Teilhabe“ bekommt in diesem Zusammenhang einen besonders bitteren Beigeschmack.

So bleibt uns Lehrer*innen lediglich, uns zu vernetzen, kreative Lösungen zu suchen und zu finden, Neues auszuprobieren und aber auch: Unsere Stimme zu erheben und darauf aufmerksam zu machen, dass unser Musterländle, welches sich seiner Innovationskraft so gerne rühmt, hier einige Entwicklungen verschlafen hat. Beides tun wir: Die Chatgruppen des Vereins für Gemeinschaftsschulen, wo viele andere leidenschaftliche, kreative und innovationsbereite Lehrer*innen, Lernbegleiter*innen und Pädagogen*innen mit Leib, Herz und Seele versammelt sind, laufen in diesen Tagen heiß. Es ist unglaublich, wie viele wunderbar hilfreiche Ideen diese Krise hervorbringt, wie viel Neues auch wir Erwachsenen in dieser „besonderen Zeit“ lernen.

Und wer weiß, wofür es gut ist? Liebe Schüler*innen, nutzt eure neu gewonnene „besondere“ Zeit! Lest ein Buch! Malt ein Bild! Geht spazieren! Genießt die erwachende Natur im Frühling! Schreibt einen Brief! Träumt vor euch hin! Spielt ein Spiel mit eurer Familie! Denkt groß und schreibt ein Buch! Ein Tagebuch! Denkt über euch nach und das, was wirklich wichtig ist. Ich glaube ja fest daran, dass in jeder Krise eine Chance liegt. Vielleicht klingt „Corona“ deshalb so schön. Weil es auch etwas Gutes haben könnte. Bleibt gesund und denkt aneinander!

Eure Frau Posselt

Besondere Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

lange Zeit schlummerte diese Homepage vor sich hin, wurde hie und da mal aktualisiert und führte ansonsten ein gut verstecktes Schattendasein. Nun sind ab dem kommenden Dienstag in Baden-Württemberg die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, um eine Ausbreitung des Corona-Virus (COVID-19) so gut wie möglich einzudämmen. Abgesehen von den vielen Problemen für Eltern von kleineren Kindern, die diese Entscheidung mit sich bringt, müssen auch wir Lehrer uns überlegen, wie wir sicherstellen können, dass unsere Schüler*innen nun von zu Hause aus weiter lernen und mit uns in Kontakt bleiben können.

Für alle Eltern und Schüler*innen aus meiner Klasse an der Anne-Frank-Schule Karlsruhe: Ich habe auf dieser Seite eine passwortgeschützte Unterseite angelegt (Besondere Zeiten), auf der ich regelmäßig aktuelle Informationen veröffentlichen werde. Das Passwort habe ich den Eltern bereits per E-Mail zugeschickt. Falls diese Information nicht angekommen sein sollte, kann man über das Kontaktformular mit mir in Verbindung treten oder über meine dienstliche E-Mail-Adresse: posselt@anne-frank-schule-karlsruhe.de