Bildungsweise

Susanne Posselt

Gemeinschaftsschule

Mein Herz schlägt für die Gemeinschaftsschule. Bereits kurz nachdem ich 2010 noch im Studium in die GEW eingetreten war, habe ich regelmäßig an den Treffen des AK Gemeinschaftsschule in der GEW Nordbaden teilgenommen, der damals die politischen Rahmenbedingungen für die Gemeinschaftsschulen diskutierte, die erst 2012/13 Realität in der baden-württembergischen Schullandschaft wurden. Von einer Berufsbezeichnung und einem spezifischen Studium für Gemeinschaftsschullehrer*innen waren wir damals so weit entfernt wie heute.

2026 bin ich im zwölften Jahr an der Gemeinschaftsschule, seit jeher und auch weiterhin mit Überzeugung und Begeisterung. Ich bin schon lange Mitglied im Verein für Gemeinschaftsschulen und war von September 2020 bis April 2025 Vorsitzende der Landesfachgruppe Gemeinschaftsschulen der GEW Baden-Württemberg. Faszinierend an der Gemeinschaftsschule finde ich neben der Vielfalt der Schüler*innen auch und gerade die Vielfalt der Lehrer*innen und Beteiligten an der Schulgemeinschaft. Für mich kommt die Gemeinschaftsschule dem Ideal einer zukunftsfähigen Schule derzeit am nächsten. Seit Dezember 2023 bin ich Leitungsfunktion als 1. Gemeinschaftsschulkonrektorin an der Nordstadtschule Pforzheim tätig. Im April 2025 wurde ich Landesdelegiertenversammlung in das Leitungsteam des Vorstandsbereiches Allgemeine Bildung der GEW Baden-Württemberg gewählt, weshalb ich mich entschieden habe, die Leitung der Landesfachgruppe in neue Hände zu übergeben. Darüber hinaus wurde ich im Mai 2024 in den Hauptpersonalrat GHWRGS am Kultusministerium Baden-Württemberg gewählt. Der Hauptpersonalrat GHWRGS vertritt die über 69.000 Beschäftigten an diesen Schularten in grundsätzlichen Angelegenheiten (bspw. Grundsätze der Einstellung, Versetzungen, Fortbildungen und Beförderungen, Lehrkräftetausch zwischen den Bundesländern, Verwaltungsregelungen …) gegenüber dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Hier setze ich mich auch für die Belange der Beschäftigten an den Gemeinschaftsschulen ein.

Noch immer halte ich die Konzeption der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg für zukunftsweisend. Internationale Befunde sprechen für ein gemeinsames Lernen bis mindestens Jahrgang 8. Baden-Württemberg ist neben Bayern das einzige Bundesland, das weiterhin strikt an einer Dreigliedrigkeit des Schulsystems festhält. In anderen Bundesländern haben sich längst Gesamtschulsysteme als zweite Säule neben dem Gymnasium etabliert, die einen gleichwertigen Weg zum Abitur ermöglichen. Gute Bildung ist eine kollektive Reise, bei der Schüler*innen, Lehrkräfte, Schulleitung, Eltern und Politik gemeinsam Verantwortung tragen. Aber: Dieses Schiff kann nur dann Kurs auf Zukunft nehmen, wenn es nicht selektiv gebaut ist. Frühzeitige Aufteilung in Schularten und Leistungsgruppen untergräbt genau die Beziehungen und Lernumgebungen, von denen auch ein Vortrag von Prof. Andreas Schleicher, OECD handelte, den er im Januar 2026 im Rahmen eines GEW-Bildungskongresses in Karlsruhe hielt.

Du willst mitmachen? Die Landesfachgruppe hat während Corona einen sehr effektiven Arbeitsmodus mit regelmäßigen (hauptsächlich virtuellen) Treffen gefunden. Obwohl wir uns inzwischen auch wieder in Präsenz treffen könnten, haben sich die virtuellen Formate als sehr hilfreich erwiesen, um weite Fahrwege zu vermeiden und auch jungen Eltern die Teilnahme an unseren abendlichen Treffen ermöglichen zu können. Wir pflegen außerdem eine enge Kooperation mit dem Verein für Gemeinschaftsschulen, die sich dadurch auszahlt, dass wir innerhalb der baden-württembergischen GMS-Community immer bekannter werden. Unser Motto ist: Nur gemeinsam sind wir stark!

Wer Lust hat, an den Treffen der Fachgruppe der GEW Baden-Württemberg teilzunehmen, schreibt eine E-Mail an gemeinschaftsschulen@gew-bw.de

Am 6. Februar 2021 um 14 Uhr organisierte die Fachgruppe Gemeinschaftsschule der GEW Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg e.V. ein digitales Barcamp mit dem Titel „Lebendige Gemeinschaftsschule“

Seit 2012 entstanden in Baden-Württemberg über 300 Gemeinschaftsschulen. Ganztägig, inklusiv, ohne Noten und im individuellen Tempo lernen – das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschulen ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was in den Schulen des gegliederten Systems praktiziert wurde und wird. Wo stehen die Gemeinschaftsschulen heute? Wie müsste unsere Schulart sein, damit sie ihrem Konzept und ihrem Namen gerecht wird? Wir möchten wissen, wie es euch geht und was euch bewegt. Wie können wir die Gemeinschaftsschule gemeinsam voranbringen? Wir, die Interessensvertreter*innen der Gemeinschaftsschule, sind gespannt auf eure Ideen. 

Im Rahmen des Formats Barcamp gab es die Gelegenheit, eigene Themen einzubringen. Nach einem gemeinsamen Input von Volker Arntz, Schulleiter der Schulpreisträgerschule in Durmersheim, gab es in einem ersten Sessionblock die Gelegenheit, in Austausch und Kontakt zu kommen. Danach berichtete Doro Moritz über die Entwicklung der Gemeinschaftsschulen sprach im Dialog mit Matthias-Wagner Uhl über die politische Wetterlage für unsere Schulart in Baden-Württemberg . In einem zweiten Sessionblock gab es erneut die Gelegenheit zum Nach- und Mitdenken, bevor es zum Abschluss in die Diskussion mit politischen Vertreter*innen ging. 

Eine kurze Zusammenfassung der Barcamp-Ergebnisse gibt es hier: Forderungen aus den Barcamp-Sessions

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