Bildungsweise

Susanne Posselt

Adieu 2025

2025 war für mich ein Jahr, in dem ich mit vielen Hüten unterwegs war. Als Konrektorin, Hauptpersonalrätin, Fortbildnerin und Gewerkschafterin habe ich gespürt, wie sehr sich diese Rollen gegenseitig beeinflussen: Die konkrete Schulpraxis, die bildungspolitische Verantwortung und das Schreiben und Denken über Schule. Immer wieder stand ich an Schnittstellen: Zwischen Kollegium und Kultusministerium, zwischen Unterrichtsalltag und Fortbildungsraum, zwischen privaten biografischen Themen und meinem öffentlichen Auftreten.

Ich habe angefangen, diese Vielschichtigkeit bewusster zu erzählen – in längeren Blogtexten, die persönliche Erfahrungen mit strukturellen Fragen verbinden, und in kürzeren, pointierten Beiträgen, die einen Blick hinter die Kulissen des Schul- und Bildungssystems erlauben. Besonders wichtig war mir dabei, nicht nur über Konzepte zu sprechen, sondern zu zeigen, wie sich Belastung, Verantwortungsfülle und Anspruch an gute Bildung ganz konkret im Alltag anfühlen.

Ein Schwerpunkt meines Jahres war das Thema Lehrkräftegesundheit und Arbeitsbedingungen: Ich habe deutlicher als früher ausgesprochen, was im System krank macht, wo Strukturen über Menschen hinweggehen und warum Begriffe wie „nicht ausreichend leisten“ so verletzend und verkürzend sind. Gleichzeitig habe ich versucht, Räume zu öffnen, in denen es um Solidarität, Schutz, Abgrenzung und Selbstfürsorge geht – nicht als Wellness-Zusatz, sondern als politische Notwendigkeit.

Mein Herzensanliegen, mit neurodivergenten Kindern und Jugendlichen anders über Lernen zu denken, hat sich 2025 weiter vertieft. In Fortbildungen, Texten und Gesprächen habe ich immer wieder thematisiert, dass „anders ticken“ keine Störung ist, die man wegtrainiert, sondern eine Einladung, Schule flexibler, beziehungsorientierter und gerechter zu gestalten. Gemeinschaftsschule, Inklusion, Beziehung und Struktur sind für mich dabei weniger Schlagworte als tägliche Haltungsarbeit.

Rückblickend war 2025 für mich ein Jahr der Verdichtung: Viele Aufgaben, viele Bühnen, viele Geschichten – und der Versuch, sie innerlich zu sortieren und ihnen eine Sprache zu geben. Ich habe gelernt, mich mit meinen Zweifeln, meiner Haltung und meinen Grenzen sichtbarer zu machen und meine Stimme zu nutzen – für Kolleg*innen, für Schüler*innen und auch für mich selbst. Wenn ich auf dieses Jahr schaue, sehe ich kein perfektes Gleichgewicht, aber ein klares Bild davon, was mir wichtig ist: Beziehung vor Bürokratie, Gesundheit vor Selbstausbeutung und der Mut, Dinge zu benennen, die sich ändern müssen.

Lasst uns nun mit Zuversicht und Gestaltungswillen ins Jahr 2026 gehen!

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