Zu Jahresbeginn war ich mit meinen Töchtern auf einer kurzen Kurz- und Kulturreise in Wien. Seit einiger Zeit bietet die Westbahn eine Direktverbindung von Stuttgart nach Wien an. Das wollten wir schon seit Längerem mal ausprobieren. Wer früh genug bucht, bekommt die Fahrt nach Wien und Retour für unter 100€. Die Fahrt dauert sechseinhalb Stunden. Sie endet am Wiener Westbahnhof, von wo aus man in 20 Minuten per U-Bahn in die Wiener Innenstadt gelangt. Die Reise verlief reibungslos, die Direktverbindung war in beiden Richtungen pünktlich. Zwar ist die Flugzeit nach Wien kürzer. In Anbetracht der Tatsache, dass man den Transfer von und zu den Flughäfen und die rechtzeitige Ankunft vor Abflug zur Fahrtzeit hinzurechnen muss, ist diese Bahnverbindung durchaus eine Alternative zum Flugzeug.
Marina Abramovic: Retrospektive in der Albertina Modern
In der Albertina Modern läuft bis zum 1. März 2026 eine große Werkschau von Marina Abramovic, die wir unbedingt sehen wollten. Dies war am ersten vollen Tag unseres Aufenthaltes dann auch unser erstes Ziel, gleich morgens um 10 Uhr. Erfahrungsgemäß ist der Andrang um diese Uhrzeit noch vertretbar. Die Ausstellung lohnt sich sehr für alle, die die eindrückliche Performancekunst von Abramovic kennen und schätzen und für jene, die sich auf zeitgenössische Kunst einlassen wollen. Die bekannten Performances (z.B. The Artist is Present) werden medial über verschiedene Zugangsweisen präsentiert, man kann bei den Videos verweilen, sich aber auch einfach durch die Präsentation der Fotografien und Objekte treiben lassen. Es gibt Kunst zum Anfassen und erfahren: Wer möchte, kann ganz meditativ Reis von Linsen trennen, die Kraft von Mineralien und Bronzeobjekten spüren, oder durch ein erleuchtetes Portal treten. Abramovics Werke sind allerdings nichts für zartbesaitete Seelen. Sie sind rauh, schonungslos und unmittelbar. Per Video wird präsentiert, wie sie Rinderknochen schrubbt, sich zum Objekt machen und sich Schmerz zufügen lässt. Das muss man als Betrachter aushalten. Mich fasziniert die Kombination von Symbolsprache, inhaltlicher Direktheit und einer ganz eigenen Ästhetik, die Abramovic mit Stolz und Klarheit verkörpert. Ihre Biografie ist immer wieder Thema, damit verknüpft aber auch ganz universelle Menschheitsthemen wie Schmerz, Wut, Stolz und Vergänglichkeit. Hier ein paar Eindrücke aus der Ausstellung:




















Kunst und Kultur in Wien zum Jahresbeginn 2026: Reise- und Ausstellungsempfehlungen
Wien bietet neben eindrucksvollen Sonderausstellungen eine Vielzahl von Museen und kulturellen Institutionen, deren Besuch sich zu jeder Jahreszeit lohnt. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Es war zwar kalt, aber sonnig. Der Weihnachtsmarkt im Schloss Schönbrunn hatte noch geöffnet und das Wetter lud zu einem Spaziergang durch den Schlosspark mit einem Aufstieg zur Gloriette und herrlichem Blick auf die Stadt ein.
Schlosspark Schönbrunn mit Weihnachtsmarkt und Blick über Wien












Albertina Wien: Faszination Papier, Gothic Modern und mehr
Zwei interessante Sonderausstellung gab es zum Jahreswechsel in der Albertina zu sehen: Faszination Papier und Gothic Modern: Um 1900 erfuhr die Gotik als Inspirationsquelle der Kunst ein gesteigertes Interesse. Die Albertina zeigte hier in einer Ausstellung eine wunderbare Zusammenstellung von Werken, die existenzielle Sujets wie Leben und Tod, Liebe, Leid und Trauer thematisieren, etwa den Kopf eines Skeletts mit brennender Zigarette von Vincent van Gogh. Sehenswert!
















Neben weiteren sehenswerten Sonderausstellungen lohnen auch die Dauerausstellung der Albertina einen Besuch: Zu sehen sind neben dem berühmten Feldhasen von Albrecht Dürer in den Prunkräumen zahlreiche Werke der klassischen Moderne.
















Weitere Kunst- und Kulturtipps: Volksoper, Leopoldmuseum, Palmenhaus und Wiener Staatsoper
Vier Tage inklusive Reisezeit mögen kurz wirken, bieten aber genügend Zeit für verschiedenste Aktivitäten. Die Wiener Museumslandschaft ist reichhaltig und abends bieten zahlreiche berühmte Kulturinstitutionen die Gelegenheit für einen Besuch:
- Marie Antoinette. Ballett von Thierry Malandain in der Volksoper
- Leopoldmuseum: Klimt, Schiele und eine interessante Ausstellung zur Entstehung der Reformbewegung.
- Im Palmenhaus. Treffen mit einem alten Studienfreund. 26 Jahre ist die gemeinsame Studienzeit vorbei. Unfassbar.
- Wiener Staatsoper: Kallirhoe. Ballett von Alexei Ratmansky. Wir hatten sehr günstige Karten, weshalb wir leider nur ein Drittel der Bühne sehen konnten, dafür aber einen perfekten Blick auf die Perkussionisten hatten



























