Innere Ordnung

Heute habe ich aufgeräumt. Den ganzen Tag. Von morgens bis abends. Ich war dermaßen im Aufräumfieber, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte. Leider neige ich ja, wie vermutlich nicht wenige andere Kolleg*innen meiner Zunft auch, zum Sammeln, Aufheben, Horten und Aufbewahren. Es fällt mir schwer, mich von manchen Dingen zu trennen. Wenn man von Berufs wegen Kinder und Jugendlichen dazu befähigen möchte, wie Herbart es einst so schön auszudrücken vermochte: „Welt in sich aufzunehmen“, dann kann es passieren, dass man selbst die Welt sammelt und in einem Lehrerarbeitszimmer aufbewahrt. Um den Überblick über diese „Welt“ nicht zu verlieren, ist es unausweichlich, sie zu ordnen und zu sortieren. Andernfalls könnte es passieren, dass einem die eigene Welt zu unübersichtlich wird.

Wenn ich so im Aufräumfieber bin, mache ich bei mir selbst oft die Beobachtung, dass sich durch das Schaffen äußerer Ordnung auch eine Art innerer Ordnung einstellt. Ich fühle mich dann sortierter, klarer und kann wieder strukturierter denken. Dabei fällt es mir durchaus nicht leicht, den Anfang zu finden. Es ist zwar schon so, dass ich mittlerweile eine ziemlich durchdachte Grundordnung in meiner häuslichen Lehrerwelt habe, aber es erfordert ein hohes Maß an Disziplin, diese aufrechtzuerhalten. Man muss dranbleiben, sich am Riemen reißen und immer wieder einmal den inneren Schweinehund überwinden, um den Anfang zu finden.

Auch bei meinen Schüler*innen beobachte ich, dass es ihnen guttut, wenn ich ihnen Strategien an die Hand gebe, wie sie selbst Ordnung halten können. Unsere Schule ist, wie alle Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg, eine gebundene Ganztagsschule. Die Schüler*innen lassen ihre Sachen im Normalfall in ihrem persönlichen Ablagefach im Lerngruppenraum. Doch selbst so ein recht überschaubares Fach in Ordnung zu halten, will gelernt sein. Immer wieder stelle ich fest, dass Jugendliche damit große Schwierigkeiten haben. Dann verschwinden Blätter, es dauert halbe Ewigkeiten, bis ein bestimmtes Heft sich findet und es zeigt sich auch, dass Dinge, die man nicht ordentlich aufbewahrt, schneller verschleißen. Deshalb hatten wir zu Beginn dieses Schuljahres noch einmal ein verstärktes Augenmerk auf die Organisation der Schulmaterialien gelegt, was sehr positive Effekte hatte. Oft geht das Lehrersein eben über das Vermitteln von fachlichen Inhalten hinaus.

Auf das Regal, welches oben zu sehen ist, bin ich in den letzten drei Wochen übrigens sehr häufig angesprochen worden. So ist das eben, wenn man statt im Klassenzimmer plötzlich aus dem häuslichen Arbeitszimmer ein Fenster in die Welt öffnet. Eigentlich ist das Regal noch größer, aber das Bild täuscht ein wenig: Ich muss zugeben, dass ich den Ausschnitt aus ästhetischen Gründen gewählt habe. Ganz so ordentlich, wie es den Anschein haben könnte, bin ich dann doch nicht. So sind meine Bücher zwar sortiert, aber nicht farblich und manchmal, wenn der Platz nicht mehr reicht, stelle ich Bücher in zweiter Reihe auf oder andere Dinge stapeln sich hier und da.

Nun ist die Ordnung wieder hergestellt. Innen wie außen.

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