Wenn der Weg genauso zum Erlebnis wird wie das Ziel, beginnt die Auszeit bereits mit den ersten Serpentinen. Für uns gehörte die An- und Abreise zur Talli-Hütte im Berner Oberland dieses Mal ganz bewusst zum Kurzurlaub dazu. Unsere Route verprach von Anfang an alpines Fahrvergnügen pur: Sie führte uns hoch oben durch die majestätische Schweizer Bergwelt. Die Anreise schraubte sich über den Klausenpass (1.948 m) und den Sustenpass (2.224 m) empor, während es auf dem Rückweg über den rauen Grimselpass (2.164 m) und den legendären Furkapass (2.429 m) ging.
Jeder dieser Pässe hat seinen ganz eigenen Charakter. Der Klausenpass verbindet die Kantone Uri und Glarus und beeindruckt mit spektakulären Tiefblicken ins Schächental, reizvollen Kehren und der geschichtsträchtigen Kulisse des historischen Klausenrennens. Weiter ging es über den Sustenpass, der mit seinen unzähligen Brücken und den grandiosen Ausblicken auf den Stein-Gletscher fasziniert. Später auf der Rückfahrt zeigte sich der Grimselpass in seiner typischen, imposanten Granitlandschaft, gespickt mit tiefblauen Stauseen, bevor der Furkapass mit engen Serpentinen und dem historischen Hotel Belvédère echtes Nostalgie-Feeling versprühte. Ein unvergessliches Fahrerlebnis mitten durch das Herz der Alpen!
Das Hauptziel unseres Wochenendtrips lag gut versteckt oberhalb von Gadmen: die Tälli-Hütte. Schon die Ankunft an der Hütte ist ein kleines Abenteuer für sich, denn das letzte Stück legt man ganz entspannt schwebend in einer urigen Selbstbedienungsgondel zurück. Oben angekommen, wird man von einem echten Hütten-Highlight im Berner Oberland empfangen. Wir haben eine Nacht im gemütlichen Doppelzimmer verbracht. Wer auf ein eigenes Bad oder ein Waschbecken direkt im Zimmer verzichten kann, findet hier ein rundum fantastisches Bergerlebnis – alternativ stehen auch noch günstigere Mehrbettzimmer zur Verfügung. Was uns von der ersten Minute an absolut begeistert hat, war der unglaublich herzliche Empfang und die bemerkenswerte Gastfreundschaft des Hüttenteams. Man fühlt sich sofort willkommen und bestens aufgehoben. Dazu ein köstliches Abendessen, ein stärkendes Frühstück am Morgen und ein sensationeller Panoramablick auf die schroffen Gadmerflühe – viel mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.
Während Dietmar die Ruhe der Hütte genoss, ein Buch las und die gewaltige Kulisse auf sich wirken ließ, zog es mich nach draußen in die Bewegung. Die Tälli-Hütte ist weit über die Grenzen hinaus für ihren berühmten Klettersteig bekannt. Aber auch für alle, die lieber auf festen Wanderpfaden unterwegs sind, lohnt sich die Tour hinauf zum Sätteli ganz ohne Klettersteigausrüstung.
Die Route von der Hütte hinauf zum Sätteli ist ein klassischer, gut markierter Bergwanderweg der Kategorie T2. Mit rund 2,5 Kilometern Länge, knapp 390 Höhenmetern im Aufstieg und einer Gehzeit von etwa 1,5 Stunden erfordert die Tour eine solide Grundkondition und Trittsicherheit im alpinen Gelände, ist technisch jedoch gut zu meistern. Der Lohn für die Mühen wartet oben am Sätteli auf 2.116 Metern Höhe: Ein atemberaubender Tiefblick ins Engstlingental und eine spektakuläre Aussicht auf die felsigen Zacken der Gadmerflühe.
So wurde aus wenigen Tagen eine herrlich entschleunigende Auszeit – voller Panoramaaugenblicke und echter Hüttenliebe.
























































































