Eine Reise nach Skandinavien beginnt nicht erst mit dem Überqueren der Grenze, sondern mit den ersten Kilometern auf dem Weg nach Norden. Da wir bewusst auf das Flugzeug verzichtet haben, machten wir aus der Anreise ein eigenes kleines Abenteuer – immer mit dabei: unsere Hundeoma Luna.
Durch Deutschland und Dänemark gen Norden
Der Auftakt führte uns zunächst zurück zu meinen Wurzeln. Eine erste Zwischenübernachtung in meinem Elternhaus im Siegerland mit lauem Sommerabend und einem gemeinsamen Geburtstagsfrühstück (ich bin nun 52 Jahre alt!) stimmte uns entspannt auf die langen Fahrkilometer ein.







Weiter ging die Fahrt Richtung Dänemark. Nach einem köstlichen Essen direkt am Meer beim Aabenraa Sejl Club bezogen wir unser erstes Übernachtungsquartier im Hotel Gammel Havn in Fredericia, was sich als idealer, geschmackvoller und hundefreundlicher Tipp für die Durchreise erwies. Am folgenden Tag fuhren wir weiter gen Norden. In Grenen bei Skagen an der nördlichsten Spitze Dänemarks beobachteten wir das eindrucksvolle Naturschauspiel, wie Nord- und Ostsee sichtbar aufeinander treffen. Ein Tipp: Wer dem Trubel direkt am Hauptstrand ein Stück entgeht und den Spaziergang durch die Dünen wählt, kann die Magie der zwei Meere deutlich entspannter genießen.






Letzte Station auf dänischem Boden war Hirtshals. Die Wartezeit bis zur Fähre nutzten wir für einen Spaziergang am breiten Sandstrand, ich ergänzte noch den Aufstieg auf den Leuchtturm und besichtigte das Bunkermuseum. Nach einer ausgesprochen leckeren Stärkung im Hirtshals Fiskehus ging es weiter zum Fährhafen. Für die Überfahrt über das offene Skagerrak nutzten wir die Spätfahrt mit dem schnellen Katamaran von Fjord Line nach Kristiansand. Die Überfahrt dauert gut zwei Stunden und ist preislich oft rund ein Drittel günstiger als die regulären Tagestarife. Wer zeitlich flexibel ist, spart hier bei der Reisekasse und kann den Reisetag in Dänemark noch voll auskosten.








Ankommen im Fjordreich Farsund
Nach der Ankunft in Norwegen und einer ersten Nacht in Kristiansand ging es weiter Richtung Feriendomizil. Um die Zeit bis zum Einchecken zu überbrücken, legten wir einen Zwischenstopp in Mandal ein und entdeckten eine traumhafte kleine Bucht mit feinem Sandstrand und schattigen Bäumen.
Unser Ferienhaus in der Kommune Farsund lag wunderbar einsam direkt am Fjord. Schon die Anfahrt über verschlungene Wege war ein kleines Abenteuer. Belohnt wurden wir mit einem idyllischen Abend auf der Terrasse mit unverstelltem Fjordblick. Um 18 Uhr wies uns der Vermieter direkt in unser eigenes Boot ein – der Norwegen-Urlaub konnte beginnen.
Das Fjordsystem rund um Farsund und den Lyngdalsfjord ist faszinierend: Anders als die steilen, engen Fjorde im Westen öffnet sich die Landschaft zu einer abwechslungsreichen Mischung aus Fjordarmen, Schäreninseln und offenen Meeresabschnitten. Das Motorboot erwies sich dabei als Verkehrsmittel der Wahl. Ein echter Glücksfall für uns war, dass in Norwegen Personen, die vor 1980 geboren sind, Boote bis 8 Meter Länge und 25 PS ganz ohne Führerschein steuern dürfen. Einige Male nutzten wir das Boot sogar für Besorgungen im Supermarkt über den Lyngdalsfjord.











Kunst und Stadtleben in Kristiansand
Ein Tagesausflug führte mich zurück nach Kristiansand, wo ich meine alte Studienfreundin Britta traf, die inzwischen seit 15 Jahren dort lebt. Ich besuchte sie in ihrer Ateliergemeinschaft in einem ehemaligen Krankenhaus und durfte dort an ihrem künstlerischen Arbeitsprozess teilhaben und zudem einige unverstellte Einblicke in das norwegische Alltagsleben gewinnen. Anschließend machte ich mich auf den Weg in die Innenstadt. Das 2024 eröffnete Kunstsilo beeindruckt bereits durch seine Architektur: Das historische Getreidesilo aus den 1930er-Jahren wurde in ein spektakuläres Museum für moderne Kunst verwandelt. Durch das Durchschneiden der 37 Meter hohen Betonzylinder entstand eine beeindruckende, kathedralenartige Halle. Das Museum beherbergt unter anderem die Tangen Collection, die weltweit bedeutendste Sammlung moderner nordischer Kunst.
Bei Bilderbuchwetter schlenderte ich im Anschluss vorbei am architektonisch kühnen Konzerthaus Kilden zur lebhaften Fiskebrygga. Nach einem Bummel durch die Fußgängerzone Markens Gate ging es hinein nach Posebyen. Das historische Altstadtviertel überstand als einziges den großen Stadtbrand von 1892 und begeistert mit einer der größten zusammenhängenden Sammlungen alter, weißer Holzhäuser Nordeuropas.





















Küstenpfade, Hochebenen und kleine Gipfel
Während Dietmar die Ruhe und Einsamkeit unseres Ferienhauses genoss, verleitete mich die Natur rund um Farsund zu Entdeckungen. Das geschützte Naturreservat Einarsneset nahe Farsund ist ein Paradies für Strandspaziergänge mit Hund. Hier treffen lange Sandstrände, Küstendünen, zerklüftete Felsen und vom Wind geformte Kiefernwälder aufeinander. Ein Ausflug an die raue Westküste zum Leuchtturm Lista Fyr offenbarte ein weiteres Gesicht der Region. Der 34 Meter hohe Steinturm aus dem Jahr 1836 ragt imposant über die flache Küstenlandschaft heraus. Da Mitte August in Norwegen die Sommersaison spürbar endet, stand ich zwar vor verschlossener Tür wegen Renovierungsarbeiten, wurde aber durch friedlich an der Küste grasende Alpakas belohnt.



















Da der Leuchtturm geschlossen hatte, wählte ich an diesem Tag spontan eine Route bergauf. Im warmen Abendlicht wanderte ich völlig alleine vorbei an spiegelglatten Bergseen hinauf zum Gipfel des St. Olavsvarden. Typisch für Norwegen markiert eine mächtige Steinpyramide (Varden) den höchsten Punkt mit einem grandiosen 360-Grad-Rundumblick. Auch für unsere Hundeoma Luna fand sich eine passende Tour: Vom Lomesanden Campingplatz aus machten wir eine 4 Kilometer lange Runde steil bergan Richtung Skjolnesveten. Schon vom Aussichtsplateau darunter bot sich ein fantastischer Blick über die Bucht – und Luna belohnte sich am Ende mit einem wohlverdienten Bad im Meer.
















Historische Entdeckungen und regionale Kultur
Die Region wartet auch mit einigen kulturellen Besonderheiten auf. Sehr kurios ist der Ort Vanse, das „amerikanischste“ Dorf Norwegens. Wegen früherer Auswanderungs- und Rückkehrwellen brachten viele die zurückgekehrten Einwohner US-Traditionen mit. Im Laden Trunken gibt es amerikanische Vintage-Deko und US-Spezialitäten, und bei Larsen’s Bakery trifft norwegische Backkunst auf echte amerikanische Donuts.
Ein Kultur-Highlight bei Regenwetter war die historische Sjølingstad Uldvarefabrik nahe Mandal. Die Museumsfabrik von 1894 zeigt die traditionelle Verarbeitung von Garn und Wolle. Typisch norwegische Alltagskleidung kaufte ich abseits der typischen Touristenpfade im Einkaufszentrum in Lyngdal bei Spar Kjøp sowie bei Kappahl.
Ein Ort voller Geschichte ist das Nordberg Fort. Die 1942 von der Wehrmacht errichtete Küstenfestung steht als mahnendes Zeugnis der Geschichte hoch über dem Meer. Heute ist das Areal ein Ort der Begegnung. Bei meinem Besuch trafen im Museumscafé und bei einer Kunstausstellung Vergangenheit und lebendige Kultur mit Klängen des zeitgleich stattfindenden Farsund Folk Festivals aufeinander.


































Unvergessliche Momente am Fjord
Das eigentliche Herzstück der Reise war und bleibt die Natur am und auf dem Fjord. Ob es die ruhigen Stunden am kristallklaren Wasser waren, bei denen man Seesterne und Seeigel auf dem Grund beobachten konnte, oder die abendliche Bootstour zu den Ruheplätzen der Robben auf den Schäreninseln – der Fjord schenkte uns wunderschöne Augenblicke.
Das wohl eindrücklichste Erlebnis unserer Zeit vor Ort schenkte uns die Natur an einem ganz besonderen Sonntag: Völlig unverhofft tauchte bei einer unserer Bootstouren plötzlich eine Gruppe neugieriger Weißschnauzendelfine samt Jungtieren direkt neben uns auf! Sie begleiteten unser Boot eine Zeit lang, glitten elegant durch das klare Wasser und sprangen direkt in unserer Bugwelle – ein einmaliges, tief berührendes Erlebnis!
Wenn am Abend die Sonne langsam hinter den Felsen versinkt und den Himmel in ein Farbenspiel aus Gold, Rosa und Violett taucht, spürt man auf der Terrasse sitzend das reine, unfiltrierte Urlaubsglück. Norwegen, du hast unser Herz erobert!







