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Susanne Posselt

Alpines Open-Air-Erlebnis

Mit offenen Aussichtswägen auf der Bernina-Strecke unterwegs

Eine der schönsten und zugleich unkompliziertesten Auszeiten führt uns immer wieder über die Alpen: Die Fahrt mit der berühmten Berninalinie von St. Moritz im Engadin hinab in das norditalienische Tirano. Für meinen Mann Dietmar gehört diese Route fast schon zum regelmäßigen Pendelprogramm, wenn der Wunsch nach einer kurzen, aber eindrücklichen Pause vom Alltag wächst. Es ist schlichtweg die kürzestmögliche Wochenendflucht, die spektakuläre Schweizer Bergwelten mit ein wenig norditalienischem Dolce Vita verbindet.

Das Besondere an dieser Reise sind nicht nur die wechselnden Landschaften, sondern vor allem das hautnahe Naturerlebnis im Sommer. Wer diese Fahrt plant, sollte unbedingt auf den bekannten Bernina-Express verzichten und stattdessen die regionalen Züge der Rhätischen Bahn nutzen. Von Juni bis September werden an ausgewählte Regionalzüge die gelben, offenen Aussichtswagen angehängt. Ganz ohne Fensterscheiben weht einem die kühle Bergluft um die Nase, während man freien Blick auf Gletscher, schroffe Felswände und die spektakulären Viadukte genießt. Der größte Vorteil dabei: Man zahlt lediglich den regulären Fahrschein-Tarif der SBB beziehungsweise der Rhätischen Bahn und spart sich die teuren Reservierungsaufschläge der Panoramazüge.

Grundsätzlich lässt sich die Strecke auch direkt von Chur aus über Pontresina nach Tirano fahren, ohne den Bogen über St. Moritz zu schlagen, und man kann unterwegs an einem der Zwischenbahnhöfe in die offenen Wagen umsteigen. Der Abstecher über St. Moritz empfiehlt sich jedoch ganz besonders: Da die gelben Cabrio-Wagen hier direkt am Startbahnhof angehängt werden, hat man beim Einstieg die besten Chancen, sich auf den begehrten Plätzen an den Außenseiten niederzulassen, bevor der Zug auf der weiteren Fahrt voller wird.

Faszinierendes Klimawechselspiel auf Schienen

Eine Fahrt auf der Berninalinie ist auch eine klimatische Reise der Extreme. Innerhalb weniger Stunden überwindet der Zug enorme Höhenunterschiede – vom alpinen Hochtal in St. Moritz über den höchsten Punkt auf der Station Ospizio Bernina (2.253 Meter über dem Meeresspiegel) bis hinab in das Veltlin auf nur noch rund 420 Metern Höhe.

Diesen Wandel spürt man am eigenen Leib. Startet man oben am Berninapass noch bei kühlen, alpinen Temperaturen, zieht während der spektakulären Abfahrt über die engen Kehren und das Kreisviadukt von Brusio langsam die warme, mediterrane Luft des Veltlins in den offenen Wagen. Wenn man schließlich in Tirano aussteigt, schlagen einem oft sommerliche Temperaturen entgegen, Palmen säumen die Plätze und das Leben verlagert sich vollkommen ins Freie. Dieser abrupte Wechsel von Gletscherluft zu italienischem Sommerflair macht den Reiz dieser Strecke aus.

Praktische Tipps für die Reiseplanung

Wer diesen Ausflug plant, kann schon bei der Anreise deutlich sparen und ein paar Klippen der Bahnreise geschickt umschiffen.

  • Fahrkarten: Am günstigsten reist man mit dem Super Sparpreis Europa der Deutschen Bahn. Wer frühzeitig bucht, sichert sich die Verbindung bis nach St. Moritz oder direkt durch bis nach Italien zu sehr überschaubaren Preisen.
  • Umstieg in Basel: Bei der Anreise aus Deutschland ist der Umstieg in Basel ein kritischer Nadelöhr-Punkt. Wenn Züge der Deutschen Bahn Verspätung haben, warten die Schweizer Anschlüsse oft nicht. Häufig endet die Fahrt des deutschen Zuges dann bereits im Badischen Bahnhof in Basel und führt nicht mehr weiter zum Bahnhof Basel SBB. In diesem Fall heißt es: Ruhe bewahren, das Gebäude verlassen und die grüne Straßenbahn (Linie 2) direkt zum Bahnhof Basel SBB nehmen. Die Bahntickets gelten auf dieser Verbindungsstrecke in der Regel als Ausweichverbindung.
  • Das Cabrio-Erlebnis: Die offenen Aussichtswagen sind im normalen Fahrplan nicht gesondert ausgewiesen, da ihr Einsatz vom Wetter abhängt. Bei starkem Regen oder Unwetter bleiben sie im Depot. Bei schönem Sommerwetter stehen sie jedoch bereit und erfordern keine Sitzplatzreservierung. Wer zuerst kommt, sichert sich die besten Plätze an der Seite.
  • Übernachten in Tirano: Statt im mondänen und preisintensiven St. Moritz zu übernachten, empfiehlt es sich, die Nacht in Tirano zu verbringen. Die Unterkünfte auf der italienischen Seite sind preislich deutlich attraktiver, und der Abend lässt sich perfekt bei echtem italienischen Espresso, frischen Pizzoccheri und einem Glas Veltliner Wein ausklingen.

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