Manchmal sind es ja die ungeplanten Irr- und Umwege, auf denen man die schönsten Dinge erlebt. Eigentlich hatten Dietmar und ich für unser Juli-Wochenende einen ganz anderen Plan: Es sollte nach Chamonix gehen, um mit der Seilbahn hinauf auf den Aiguille du Midi, den felsigen Vorposten des Montblanc fahren und von dort aus mit der Télécabine Panoramic Mont-Blanc zur Pointe Helbronner zu schweben. Doch wie das auf Reisen manchmal so ist, machte uns die Technik einen Strich durch die Rechnung – die Gondel fuhr zu unserem Reisezeitpunkt schlichtweg nicht.
Da unsere Unterkunft im Schweizer Städtchen Martigny bereits gebucht war, entschieden wir uns kurzerhand zum Umdisponieren. Ein spontaner Plan B musste her! Die Rettung war eine Spartageskarte der SBB, mit der wir Samstag und Sonntag absolut flexibel im Schweizer ÖV-Netz unterwegs sein konnten und dem besten Wetter hinterherreisen konnten.
Samstagmorgen: Gletscherpanoramablick auf dem Eggishorn
Am Samstagmorgen zeigte sich der Himmel von seiner besten Seite. Unser Ziel: Das Eggishorn im Wallis. Von Martigny ging es mit dem Zug nach Fiesch im Rhônetal. Direkt am Bahnhof steigt man in die moderne ÖV-Hub-Gondelbahn um, fährt hoch zur Mittelstation Fiescheralp (2.212 m) und wechselt dort in die Luftseilbahn zum Eggishorn auf 2.869 Meter Höhe.
Von der Bergstation führt ein gut angelegter, etwas felsiger Pfad in etwa 15 bis 20 Minuten hoch zum eigentlichen Gipfel (2.927 m). Trittfest sollte man sein und passendes Schuhwerk ist Pflicht, doch der etwa 30-minütige felsige Aufstieg ist auch für Bergneulinge gut zu bewältigen. Oben angekommen stockt einem der Atem:
- Der Große Aletschgletscher: Vor uns erstreckte sich der mächtigste Eisstrom der Alpen – mit unglaublichen 20 Kilometern Länge ein gigantisches UNESCO-Weltnaturerbe. Vom Eggishorn hat man die perfekte Sicht auf die charakteristischen Mittelmoränen des Gletschers und die riesige Eiskurve.
- Das Alpenpanorama: Der Rundumblick reicht vom Eiger, Mönch und Jungfrau bis hin zum markanten Gipfel des Matterhorns, das sich im Westen stolz in der Ferne abzeichnete.
Die Gondelfahrt in luftige Höhen ist schon für sich genommen unbedingt empfehlenswert. Wer einigermaßen trittsicher und schwindelfrei ist, dem sei auch der kurze Aufstieg zum Gipfel des Eggishorn dringend ans Herz gelegt. Einen besseren Rundumblick auf den Aletschgletscher und das Bergpanorama findet man sonst nirgends.


















Samstagnachmittag & Sonntag: Festival-Vibes & Riviera-Flair in Montreux
Nach den frischen Alpentemperaturen zog es uns am Nachmittag an die Genfersee-Riviera nach Montreux. Zufälligerweise fiel unser Besuch mitten in die Zeit des weltberühmten Montreux Jazz Festivals.
Was macht das Montreux Jazz Festival so besonders? Gegründet 1967 von Claude Nobs, ist es das zweitgrößte Jazzfestival der Welt. Längst treten hier nicht mehr nur Jazz-Größen auf, sondern auch Giganten aus Pop, Rock und Hip-Hop (von Prince über Deep Purple bis Elton John). Neben den kostenpflichtigen Top-Konzerten verwandelt sich die gesamte Uferpromenade für zwei Wochen in eine einzige lange, kostenlose Open-Air-Meile mit Street-Food, DJ-Sets, Pop-up-Bars und einer unvergleichlich entspannten Stimmung direkt am Wasser.


















Die Atmosphäre war fantastisch, sodass wir auch den gesamten Sonntag hier verbrachten. Während Dietmar den Tag über ganz entspannt am Strand des Genfersees lag und die Sonne genoss, packte mich der Entdeckerdrang: Ich spazierte entlang der blumengesäumten Uferpromenade in Richtung Osten nach Veytaux.
Sonntagsausflug: Entlang der Promenade zum Schloss Chillon
Der Fußweg von Montreux zum Schloss Chillon (Château de Chillon) dauert etwa 45 bis 60 Minuten und gehört zu den schönsten Spazierwegen der Schweiz – vorbei an Palmen, prachtvollen Belle-Époque-Hotels und immer mit Blick auf das schimmernde Wasser.
Das Schloss ist die meistbesuchte historische Burg der Schweiz und liegt spektakulär auf einer kleinen Felseninsel direkt im See. Bei einer Erkundungstour durch die gut erhaltene Wasserburg entdeckt man:
- Die unterirdischen Gewölbe: Beeindruckende gotische Kellerhallen, die als Lagerraum und Gefängnis dienten. Hier war auch Lord Byrons berühmter „Gefangener von Chillon“ (François Bonivard) an eine Säule gekettet.
- Paradesäle und Wohnräume: Vier große, prunkvolle Säle mit historischen Holzdecken, Wappen und Wandmalereien der Grafen von Savoyen.
- Grafenzimmer und Kapelle: Private Wohngemächer und die Schlosskapelle mit restaurierten Malereien aus dem 14. Jahrhundert.
- Wehrgänge und Türme: Von den Außenmauern und dem zentralen Bergfried hat man einen fantastischen Rundumblick über den Genfersee und die Dents du Midi.
















































Fazit zum Wochenende
Auch wenn der ursprüngliche Plan mit Chamonix ins Wasser fiel: Dank der Flexibilität mit der SBB Spartageskarte wurde aus der Ausweichroute ein wunderbares Schweizer Kontrastprogramm aus hochalpiner Gletscherkulisse am Vormittag und mediterranem Riviera-Feeling mit Live-Musik am Abend.