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Susanne Posselt

Alpe Devero: Ein autofreies Naturparadies im Val d’Ossola

Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um in eine völlig andere Welt einzutauchen. Vom 4. bis 7. Juni ging es für Dietmar, unsere treue Golden-Retriever-Hündin Luna und mich ins wunderschöne Val d’Ossola – genauer gesagt auf die Hochebene der Alpe Devero.

Unsere Reise war eine perfekte Mischung aus alpiner Kulinarik, historischer Kulisse und gemütlichen Wanderungen – und ein Beweis dafür, dass man auch mit einem älteren Hund ein echtes Bergabenteuer erleben kann.

Die Anreise: Über Pässe und abenteuerliche Straßen

Schon die Anreise war ein kleines Abenteuer für sich. Über den Autoverlad Kandersteg steuerten wir Richtung Simplonpass. Diese Route ist geschichtsträchtig: Schon im Mittelalter nutzten Händler den Pass, doch es war Napoleon Bonaparte, der Anfang des 19. Jahrhunderts die erste echte befahrbare Straße über den Simplon bauen ließ, um seine Truppen schnell zu bewegen.

Nach dem Pass führte uns der Weg über eine abenteuerlich schmale, kurvenreiche und steile Passstraße hinauf zur Alpe Devero. Oben angekommen, blieb das Auto auf dem Parkplatz am Taleingang stehen. Der Ort ist komplett autofrei, was für Ruhe und Entschleunigung sorgt. Man hört nur das Rauschen der Bäche und das Läuten der Kuhglocken. Die weite, sanfte Hochebene liegt eingebettet in ein Hufeisen aus schroffen Zweitausendern – ein Kontrast, der einen sofort tief durchatmen lässt.

Unser Zuhause: Die Casa Fontana

Unser Rückzugsort für die Tage war die Casa Fontana, ein sehr nettes, kleines Berggasthaus, das die typische alpine Architektur der Region perfekt verkörpert. Geführt wird es von Bruno und Rosy mit viel Herzblut, was man an jeder Ecke spürt. Da wir am ersten Tag recht spät ankamen, war der Empfang umso herzlicher und das anschließende Essen eine wahre Offenbarung.

Wir hatten ein Doppelzimmer mit Halbpension gebucht. Das bedeutet hier: Jeden Abend gab es ein köstliches, bodenständiges Drei-Gänge-Menü aus der traditionellen piemontesischen Küche, frisch zubereitet aus regionalen Zutaten. Nach einem langen Tag in den Bergen genau das Richtige!

Auf den Spuren der Walser: Crampiolo und der Hexensee

Am ersten Tag zog ich zunächst alleine los, um die Umgebung zu erkunden. Der Weg führte mich bergauf zum Lago delle Streghe (dem „Hexensee“), dessen smaragdgrünes Wasser fast unwirklich schön inmitten eines lichten Lärchenwaldes leuchtet. Von dort ging es zurück durch das malerische Dörfchen Crampiolo.

Ein Blick in die Geschichte:

Crampiolo ist eine traditionelle Siedlung der Walser. Dieses alemannische Volk wanderte im 13. Jahrhundert aus dem Wallis ein und besiedelte die hochgelegenen Alpentäler. Ihre typische Stein- und Holzbauweise mit den charakteristischen Schindeldächern prägt die Architektur des Dorfes bis heute und verleiht ihm diesen unvergleichlichen, historischen Charme.

Nachmittags stand dann die Familienrunde an. Da unsere Luna im Alter nicht mehr ganz so gut zu Fuß laufen kann, hatten wir eine Geheimwaffe dabei: ihren umgebauten Fahrradanhänger. Auf dem breiteren, gut ausgebauten und flacheren Weg ließ sie sich nach Crampiolo kutschieren – nicht immer völlig begeistert, aber der Badeausflug in den Bergsee und die herrlichen Wiesen ließen uns eine glückliche ältere Hundedame erleben.

Es hat sich auch für uns gelohnt, denn in Crampiolo wird der berühmte lokale Alpkäse hergestellt. Wir haben uns ein feines Stück gegönnt – die Käseherstellung hat auf diesen Alpen eine jahrhundertealte Tradition und man schmeckt die würzigen Bergkräuter mit jedem Bissen.

Stauseen und alpine Weite

Am zweiten Tag packte mich noch einmal die Wanderlust und ich wanderte auf der anderen Talseite bergwärts. Nach einer gemütlichen Pause im vertrauten Crampiolo wanderte ich weiter hinauf bis zum großen Stausee (Lago Devero), der auch unter dem Namen Lago di Codelago bekannt ist.

Diese Stauseen im Val d’Ossola sind nicht nur schöne Fotomotive, sondern auch Zeugen der Schweizerisch-Italienischen Pionierarbeit des frühen 20. Jahrhunderts, als die Wasserkraft die Industrialisierung der Region vorantrieb. Die Staumauer des Devero-Sees wurde bereits zwischen 1908 und 1912 erbaut. Die Kombination aus wilder, unberührter Natur und dieser historischen, menschengemachten Technik hoch oben in den Bergen hat eine ganz eigene, faszinierende Atmosphäre.

Abschied und Heimreise über das Centovalli und den Gotthard

Am dritten Tag hieß es leider schon wieder Abschied nehmen. Für die Rückreise wählten wir die landschaftlich beeindruckende Route durch das Centovalli und fuhren schließlich über den legendären Gotthardpass wieder zurück. Der Gotthard – seit Jahrhunderten das „Herz der Alpen“ und die wichtigste Nord-Süd-Verbindung – bot den perfekten, majestätischen Abschluss für ein langes Wochenende.

Luna hat die frische Bergluft im Wagen genossen, Dietmar und ich haben die Akkus aufgetankt – die Alpe Devero und die Casa Fontana sehen uns bestimmt wieder!

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