Seit unsere Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben, nehmen wir uns häufiger Zeit für Unternehmungen zu zweit. Die letzten zwei Jahre haben uns gezeigt, dass man diese kleinen Auszeiten aus dem beruflichen Alltag nicht verschieben sollte. Wir lieben die Berge mit ihrem Perspektivwechsel. Besonders schön ist es, wenn man dort oben eine Übernachtungsunterkunft hat und bei passendem Wetter diese gewaltige Natur abseits der Tagestouristenströme genießen kann. Anlässlich unseres 29. Hochzeitstages haben wir am Wochenende vom 13. auf den 14. Juni 2026 eine neue Bergunterkunft ausprobiert. Unsere Bedingung war, dass es ein eigenes Doppelzimmer gibt, für Schlafsäle fühlen wir uns nicht nur zu alt, ich möchte auch niemanden die Begleiterscheinungen meiner abwesenden Blase zumuten. Die Brunnihütte des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) liegt auf 1’860 Metern über Meer inmitten der Zentralschweiz und hat neben größeren Schlafsälen auch wenige kleinere Doppelzimmer mit Halbpension im Angebot. Direkt am Fuss des Rigidalstocks gelegen, bietet sie einen freien Blick auf den Titlis und die umliegenden Alpengipfel. Die Hütte ist nicht nur ein idealer Stützpunkt für Bergsportler, sondern eignet sich auch sehr gut für Wochenendausflüge mit besonderem Anlass – wie in unserem Fall für unser Hochzeitsjubiläum.
Per Gondel und Sessellift nach oben
Ein grosser Vorteil der Brunnihütte ist ihre unkomplizierte Erreichbarkeit: Man muss den Aufstieg von Engelberg aus nicht zwingend zu Fuss zurücklegen. Die Hütte lässt sich auch ganz bequem mit den Bergbahnen erreichen. Von Engelberg führt zunächst eine Gondelbahn nach Ristis, von wo aus man direkt in den Sessellift umsteigt, der die Gäste barrierefrei bis unmittelbar vor die Hütte bringt.






Bergsport- und Familienparadies
Was wir vorher nicht wussten: Weit über die Region hinaus ist das Brunni-Gebiet offenbar für seine Familienfreundlichkeit bekannt. Ein zentraler Anziehungspunkt direkt neben der Hütte ist der Härzlisee. Der dort angelegte „Kitzelpfad“ – ein speziell gestalteter Barfussweg durch Moor, Kies, Holz und Wasser – zieht im Sommer zahlreiche Familien mit kleineren Kindern an. Zudem gilt das Gebiet aufgrund der Thermik als Hotspot für Gleitschirmflieger. Bei unserem Aufenthalt hatten wir besonderes Glück mit dem Wetter und durften herrlichen Sonnenschein bei nur wenigen Wolken und angenehm milden Temperaturen geniessen. Die Lage der Hütte bietet direkten Zugang zu verschiedenen Outdoor-Aktivitäten:
- Wandern: Das Angebot reicht von einfachen, barrierefreien Panorama-Rundwegen bis zu anspruchsvollen Routen im alpinen Gelände.
- Klettersteige: Direkt hinter der Hütte beginnen mehrere Klettersteige. Das „Brunnistöckli“ ist ideal für Einsteiger, während die Routen auf den Rigidalstock (Zustieg über die Hütte) alpine Erfahrung erfordern.
- Winteraktivitäten: In den Wintermonaten ist die Hütte Ausgangspunkt für Schneeschuhtouren, Winterwanderungen und liegt direkt an den Ski- und Schlittenpisten des Skigebiets Brunni.






















Abendliche Ruhe nach Liftschluss
Nach der trubeligen Mittagszeit an unserem Ankunftstag zeigte sich der Vorteil einer Übernachtung auf der Brunnihütte am späten Nachmittag. Sobald der letzte Sessellift ins Tal abgefahren war, leerte sich das Plateau spürbar. Es kehrte eine alpine Ruhe ein, da sich ab diesem Zeitpunkt nur noch Übernachtungsgäste und vereinzelte Spätwanderer auf den Wegen aufhielten. Diese ruhigen Abendstunden und der Blick auf die Bergkette bei Sonnenuntergang gehörten zu den landschaftlichen Höhepunkten unseres Aufenthalts. Während Dietmar mit einem guten Buch am See verweilte, stieg ich nach Liftschluss noch einmal hinauf in Richtung der Klettersteige und genoss dort das unvergleichliche Alpenpanorama, die blühenden Frühsommerwiesen und die schroffen Felswände vor dem Hintergrund des malerischen Schäfchenwolkenhimmels. Ich liebe die Farben der Abendsonne im noch frischen Sommer, die flatternden Schmetterlinge und die kleinen, bunten alpinen Blumenschönheiten, die das junge Grün mit lustigen bunten Punkten betupfen.








Aufwachen in luftiger Höhe
Für leichte Schläfer empfiehlt sich ein Gehörschutz, denn die Holzbauweise der Hütte überträgt den Klang jeder Bewegung und lässt auch Gespräche in Zimmerlautstärke durch die Wände dringen. Die kleinen Kinder der übernachtenden Familien spielten am frühen Morgen zwar hingebungsvoll aber auch deutlich hörbar mit den kleinen Holzscheiten, die eigentlich für das Ofenfeuer gedacht waren. Ab 8 Uhr gab es ein Frühstücksbuffet, das wir auf der bereits sonnengewärmten Terrasse bei herrlichem Bergpanorama genossen. Der wieder erwachte Sessellift brachte die ersten Tagestouristen und schon bald füllte sich der Platz rund um den Härzlisee mit Kinderlachen und Klettertouristen, die ihre Klettergurte sortierten.
Dietmar genoss während der Vormittagsstunden diese Szenerie mit seiner Lektüre im Liegestuhl bei See- und Bergblick. Ich schnürte noch einmal die Wanderschuhe und lief eine Runde in der frischen Morgenluft, begrüßte die Kühe und tankte Bergwiesengrün. Gegen Mittag schulterten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Fußweg zur Bergstation der Gondel.











Frühzeitige Planung empfohlen
Da die Brunnihütte sowohl bei Wanderern als auch bei Alpinisten sehr gefragt ist, ist eine frühzeitige Reservation notwendig. Für Paare oder Kleingruppen stehen neben den klassischen Mehrbettzimmern auch komfortablere Doppelzimmer zur Verfügung. Die Buchung erfolgt standardmässig mit Halbpension, sodass die Verpflegung mit einem Abendessen und Frühstück direkt in der Hütte abgedeckt ist.

Gudrun Mittwoch, 17. Juni 2026
Wie schön-vielen Dank für das reinluggen lassen.