Mit dem Eurostar auf Kunstreise
London ist eine meiner Sehnsuchtsstädte. Ich bin dort gerne. Zuletzt war ich im Juni 2023 mit meinen beiden Söhnen in der Stadt an der Themse. Nach meiner Krebsdiagnose im März 2024 wusste ich zunächst nicht, wie gut ich nach der einschneidenden Operation ohne Blase Städtereisen würde bewältigen können. Inzwischen weiß ich: Es geht ziemlich problemlos. Ich habe Katheter und Spüllösung per Flugzeug im Dezember 2024 bis nach Helsinki gebracht, bin gut zwei Stunden mit einer estnischen Führerin durch Tallinn gehastet, da würde auch London mit dem Eurostar kein Problem sein. Da man London von Süddeutschland aus mit Zwischenstopp in Paris mit dem TGV und dem Eurostar in annehmbarer Zeit erreichen kann, entschieden wir uns, die Tickets über die SNCF zu buchen und auf dem Weg nach London einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Paris einzuplanen. Im November 2025 öffnete das Ticketbuchungssystem der SNCF mit den aktuellen Sparangeboten und so konnten wir uns sehr gute Preise für unsere geplante Reise im Februar 2026 sichern. Wir buchten Tickets für die Gerhard-Richter-Ausstellung in der Fondation Louis Vuitton und nachmittags noch Tickets für den Louvre. Eigentlich hätten wir am 14. Februar gegen 10 Uhr in Paris sein sollen. Bedingt durch einen technischen Defekt unseres Zuges (Ein ICE, kein TGV!) kamen wir jedoch erst gegen 15 Uhr in Paris an, gerade noch rechtzeitig für den Louvre.






Paris: Louvre
„Dieses Mal schauen wir nicht die Mona Lisa an“, sagte meine Tochter. Muss man ja auch nicht. Schließlich gibt es genug anderes zu sehen. Wer den Louvre betritt, wird normalerweise von einem unsichtbaren Strom mitgerissen: Alles drängt im Eiltempo in Richtung der Mona Lisa. Doch bei unserem Kurzbesuch haben wir diese Schlangen ganz bewusst links liegen gelassen. Denn abseits des berühmtesten Lächelns der Welt offenbart dieses berühmte Museum eine ganz andere, monumentale Magie – und unser Fokus gehörte dieses Mal ganz den Skulpturen.
Wenn die Zeit knapp ist, ist der Louvre der perfekte Ort, um dreidimensionale Kunstgeschichte hautnah zu erleben. Das Besondere an der Skulpturensammlung ist die unglaubliche Lebendigkeit, die die jahrhundertealten Meisterwerke aus Marmor, Bronze und Stein verströmen. In den lichtdurchfluteten, prachtvollen Innenhöfen wie dem Cour Marly oder dem Cour Puget vergisst man schnell den Trubel der Großstadt. Hier erwacht die Antike, die Renaissance und der französische Barock zum Leben. Es ist faszinierend zu sehen, wie Künstler aus einem so starren Material wie Stein fließende Gewänder, Muskelkraft und tiefste menschliche Emotionen herausgearbeitet haben. Ein Kurzbesuch bei den Skulpturen des Louvre beweist: Man muss nicht alles sehen, um tief berührt zu werden – manchmal reicht es, den Blick für die stillen Giganten der Kunst zu öffnen.
















London
Wenn man frühmorgens den ersten Eurostar von Paris nach London nimmt, dann ist man so früh in der Stadt, dass man rechtzeitig zur Öffnung der Museen vor Ort ist. Wir hatten uns nicht nach den Ferienzeiten der britischen Schulkinder erkundigt und hatten daher nicht damit gerechnet, dass die Museen voll mit Familien und Kindern sein würden. Da war es gut, dass wir nach Ankunft am Bahnhof St. Pancras nur unsere Koffer im 5 Minuten entfernten Hotel deponieren mussten und dann gleich mit der Tube zur Tate Modern fahren konnten, die gerade geöffnet hatte.
Die Tate Modern
Die staatlichen Museen in London sind kostenfrei zugänglich, man muss im Normalfall auch kein Einlassticket buchen. Üblicherweise werden zwar die Taschen kontrolliert, aber das ist in gewohnt britischer Manier perfekt organisiert. Die Tate Modern beherbergt eine beeindruckende Sammlung an Kunst – beginnend mit der klassischen Moderne bis hin zu zeitgenössischen Positionen. Das Gebäude war ehemals ein Kraftwerk, die Bankside Power Station. Seit 2000 wird hier Kunst gezeigt. Besonders gut hat uns die Ausstellung der selektiv ausgeleuchteten Giacometti-Werke in sehr reduziertem Beton-Ambiente gefallen. Aber auch die dem Land-Art-Künstler Richard Long gewidmeten Artist Rooms mit seinen experimentellen Arte-Povera-Installationen fanden wir beeindruckend. Für Liebhaber zeitgenössischer Kunst ist die Tate Modern in jedem Fall immer einen Besuch wert.












































Das Victoria and Albert Museum (V&A) in South Kensington
Das V&A ist kein klassisches Museum, in dem man verstaubte Exponate hinter Glas betrachtet. Seine Wurzeln reichen zurück bis in das Jahr 1851, zur legendären ersten Weltausstellung im Kristallpalast. Angetrieben von der Vision von Prinz Albert und dem ersten Direktor Henry Cole, entstand hier etwas für das 19. Jahrhundert völlig Revolutionäres: Ein Ort mit einem radikalen Bildungsauftrag, der explizit für jedermann zugänglich sein sollte. Als weltweit erstes Museum mit Gasbeleuchtung öffnete es seine Türen abends, damit auch die arbeitende Bevölkerung nach der Fabrikschicht Kunst und gutes Design studieren konnte. Dieser lebendige Geist prägt das Haus bis heute. Unter einem einzigen Dach treffen jahrhundertealte Renaissance-Skulpturen auf bahnbrechende Haute Couture, und monumentale Gipsabgüsse antiker Meisterwerke stehen unweit von modernem 3D-Druck-Design.
Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, weil das V&A wie kein zweites Haus zeigt, wie Gestaltung unseren Alltag, unsere Identität und unsere Gesellschaft formt. Ob man durch die prachtvollen, lichtdurchfluteten Cast Courts wandert, im weltweit ersten Museumscafé inmitten von William Morris’ Design einen Cream Tea genießt oder sich von den aktuellen Ausstellungen inspirieren lässt – das V&A berührt, fordert den Blick heraus und entlässt einen garantiert mit einem Kopf voller neuer Ideen in den Londoner Abend.




















Die National Portrait Gallery
Manche Reiseziele brauchen einfach mehrere Anläufe. Schon seit Jahren stand die National Portrait Gallery ganz oben auf meiner London-Wunschliste – und jedes Mal, wenn ich in der Stadt war, stand ich vor verschlossenen Türen. Erst bremste mich die dreijährige, umfassende Sanierung aus, dann passte das Timing nicht. Doch in diesem Februar war es endlich so weit: Der ersehnte Besuch in der frisch renovierten Galerie direkt am Trafalgar Square konnte stattfinden.
Das Warten hat sich mehr als gelohnt. Das Besondere an diesem Haus ist, dass es Kunstgeschichte mit einer menschlichen Erzählung verbindet. Hier geht es nicht primär um die Maler, sondern um die Porträtierten: Die National Portrait Gallery ist das visuelle Gedächtnis einer ganzen Nation. Sie zeigt die Gesichter derer, die die britische Kultur, Geschichte und Gesellschaft geprägt haben – von den majestätischen, mächtigen Tudors über bahnbrechende Wissenschaftler bis hin zu modernen Ikonen der Popkultur.
Ein Besuch lohnt sich gerade nach der großen Wiedereröffnung, weil das Museum sein historisches Erbe modern inszeniert. Die Ausstellungsräume sind chronologisch und zugleich lebendig gestaltet: Ein Raum voller Tudor-Gemälde zieht einen genauso in den Bann wie die zeitgenössischen Fotografien und multimedialen Porträts im neuen Flügel. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich der Blick auf den Menschen im Laufe der Jahrhunderte verändert hat – und wie viel uns diese alten und neuen Gesichter auch heute noch zu sagen haben.
























Stippvisite in der National Gallery
Wer an London denkt, denkt an die National Gallery – die majestätischen Säulen am Trafalgar Square gehören einfach zum Stadtbild. Doch viele schrecken vor einem Besuch zurück, weil sie glauben, für eine der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt Tage zu brauchen. Das Erstaunliche ist: Die National Gallery ist der perfekte Ort für ein „Speed-Dating“ mit den ganz großen Meistern der Kunstgeschichte, selbst wenn man nur eine Stunde Zeit hat.
Das Besondere an dieser Galerie ist ihre unglaubliche Dichte an weltberühmten Meisterwerken. Hier hängen keine kilometerlangen Gänge voller unbekannter Skizzen; stattdessen jagt ein Höhepunkt den nächsten. Auf kompaktem Raum reist man von der italienischen Renaissance direkt in den französischen Impressionismus.
Ein Kurzbesuch lohnt sich aus drei einfachen Gründen:
- Der Eintritt ist frei: Man muss kein teures Ticket rechtfertigen. Es spricht absolut nichts dagegen, nur für 30 Minuten hineinzuspringen, um gezielt zwei oder drei Lieblingsbilder anzusehen.
- Die „Central Hall“ Strategie: Die Galerie ist so übersichtlich aufgebaut, dass man ohne langes Suchen direkt zu den Ikonen gelangt. Innerhalb kürzester Zeit steht man vor Van Goghs Sonnenblumen, Monets Seerosen oder da Vincis Felsgrottenmadonna.
- Perfekt für eine Kaffeepause der anderen Art: Statt sich die Beine in den Einkaufsstraßen in den Bauch zu stehen, setzt man sich hier für fünfzehn Minuten auf eine Samtbank, lässt die monumentalen Räume auf sich wirken und schaut sich ein einzelnes, weltberühmtes Gemälde in aller Ruhe an.
Die National Gallery beweist, dass Kunstgenuss nicht anstrengend sein muss. Sie ist eine Oase der Inspiration mitten im Trubel der Großstadt – und ein Beweis dafür, dass manchmal schon ein kurzer Moment vor dem richtigen Bild reicht, um eine Reise unvergesslich zu machen.
















„Giselle“ im Royal Opera House
Kein London-Besuch ohne das Royal Opera House in Covent Garden! Wenn sich der riesige, schwere Samtvorhang hebt und die ersten Töne des Orchesters erklingen, ist das Gänsehaut pur. In diesem Februar stand für uns ein absolutes Kronjuwel des klassischen Balletts auf dem Programm: Giselle in der legendären, zeitlosen Inszenierung von Sir Peter Wright für das Royal Ballet. Diese Produktion ist und bleibt der Goldstandard. Sie schafft die perfekte Balance zwischen der romantischen Idylle des ersten Aktes und der düsteren, schaurig-schönen Geisterwelt der „Wilis“ im zweiten Akt. Das Ensemble des Royal Ballet tanzt hier in einer ganz eigenen Liga und bringt eine schauspielerische Tiefe auf die Bühne, die einem durch Mark und Bein geht.
Das Beste daran: Man muss sich von den oft hohen Ticketpreisen nicht abschrecken lassen. Ein Besuch lohnt sich nämlich ganz ausdrücklich auch auf den günstigen Plätzen in den obersten Rängen, wie dem Upper Amphitheatre. Von dort oben genießt man einen ganz besonderen Luxus: den perfekten Blick auf die Geometrie des Tanzes. Gerade der berühmte weiße Akt bei Giselle lebt von den makellosen, synchronen Formationen des Corps de ballet. Aus der Vogelperspektive sieht man diese faszinierenden Muster unendlich viel besser als aus den vorderen Reihen und blickt auf das lebendige Gesamtkunstwerk.
Gekrönt wird das Ganze von der fantastischen Akustik, die jeden Ton des Orchesters glasklar bis unter die Decke trägt, und der wunderbar nahbaren Atmosphäre unter den echten Ballett-Enthusiasten in den oberen Rängen. Ein Abend im Royal Opera House beweist, dass Weltklasse-Kultur kein elitäres Privileg sein muss – der Zauber wirkt in der letzten Reihe genauso wie in der ersten.








Hayward Gallery im Southbank Centre
Manchmal schließt sich auf Reisen ein Kreis, von dem man vorher gar nichts ahnte. Als ich 2024 kurz nach meiner Krebsdiagnose gemeinsam mit meiner Tochter über die Art Basel schlenderte, zog uns das Werk von Chiharu Shiota zum ersten Mal in seinen Bann. Ihre monumentalen, raumgreifenden Fadennetzwerke vergisst man so schnell nicht. Umso größer war die Freude, als wir entdeckten, dass die Londoner Hayward Gallery in diesem Februar gleich zwei wegweisende Künstlerinnen Asiens in einer Doppelausstellung präsentiert – und uns damit neben einem Wiedersehen mit Shiota auch eine echte Neuentdeckung bescherte.
Die Hayward Gallery, direkt an der Themse im brutalistischen Southbank Centre gelegen, bot die perfekte Kulisse für diese beiden Ausstellungen, die sich auf faszinierende Weise ergänzten. Beide Künstlerinnen nutzen alltägliche, fast bescheidene Materialien, um monumentale, zutiefst emotionale Räume zu erschaffen.
Chiharu Shiota: Ein Netz aus Erinnerungen (Threads of Life)
Das Wiedersehen mit der in Berlin lebenden japanischen Künstlerin war ein echtes Highlight. Wer Chiharu Shiota kennt, weiß, dass sie ganze Räume vom Boden bis zur Decke in dichte Gespinste aus roten, schwarzen oder weißen Wollfäden hüllt.
Für die Hayward Gallery hat sie die markante, raue Betonarchitektur des Obergeschosses komplett verwandelt. In ihrer Hauptinstallation Threads of Life spannte sie kilometerweise leuchtend rote Fäden – die für sie das unsichtbare Band des Schicksals, aber auch das Fließen von Blut und Lebensenergie symbolisieren. Mitten in diesem gewaltigen roten Kosmos hingen rund 20.000 alte, getragene Schlüssel und eine offenstehende Holztür. Es fühlte sich fast ein wenig melancholisch an, durch dieses Labyrinth zu wandern, in dem jeder Schlüssel für einen Ort steht, der einmal jemandem Schutz, Heimat oder ein Geheimnis bedeutete.












Yin Xiuzhen: Die Poesie des Getragenen (Heart to Heart)
Die eigentliche Überraschung der Reise war für uns jedoch die Chinesin Yin Xiuzhen, deren Werk wir bisher noch nicht kannten. Sie gilt als Pionierin der zeitgenössischen chinesischen Kunstszene und setzt sich intensiv mit den rasanten gesellschaftlichen Veränderungen ihrer Heimat auseinander. Ihr bevorzugtes Material sind Getragene Secondhand-Kleidung, Altkleider und Textilien. Yin Xiuzhen sammelt diese Stoffe von den unterschiedlichsten Menschen, weil sie davon überzeugt ist, dass in den Fasern die intimsten Spuren, Gerüche und Erinnerungen eines gelebten Lebens haften bleiben.
Das Herzstück ihrer ersten großen Einzelausstellung in Großbritannien war eine monumentale, begehbare Textilskulptur in Form eines riesigen menschlichen Herzens. Als Besucher durfte man buchstäblich in dieses „Herz“ hineintreten, das vollständig aus den gesammelten Kleidungsstücken unzähliger Menschen zusammengenäht war. Ein zutiefst berührender, intimer Ort der Reflexion mitten in der lauten Großstadt.




















Wo Shiota uns mit ihren Fäden einlullte und kosmische Verbindungen sichtbar machte, erdete uns Yin Xiuzhen mit der spürbaren, greifbaren Vergangenheit wildfremder Menschen. Ein genial kuratiertes Doppelpack, das uns einmal mehr gezeigt hat, dass die zeitgenössische asiatische Gegenwartskunst aktuell zu den spannendsten und emotionalsten Erlebnissen gehört, die man in der Kunstwelt finden kann.
Zum Abschluss unserer Kunst- und Kulturreise: Ein Besuch auf dem Camden Market
Nach all den stillen Museumsräumen, den andächtigen Momenten vor jahrhundertealten Meisterwerken und den tiefgründigen zeitgenössischen Installationen brauchten wir zum Abschluss unserer Kulturreise einen radikalen Kontrast – und genau den haben wir auf dem Camden Market gefunden. Camden ist laut, bunt, ein bisschen schrill und das absolute Gegenteil einer klassischen Galerie. Und doch ist es auf seine ganz eigene Weise ein zutiefst kreativer Ort.
Der Camden Market (der eigentlich aus mehreren ineinandergehenden Märkten wie dem Lock Market und den Stables besteht) ist eine Londoner Institution. Wir man diesen Ort trotz der unweigerlichen Menschenmassen besucht und sind in seine Atmosphäre eingetaucht. Der Markt schmiegt sich an den malerischen Regent’s Canal und atmet pure Industriegeschichte. Das absolute Highlight sind die Stables Markets: Die Verkaufsstände befinden sich in den ehemaligen, denkmalgeschützten Pferdeställen und unterirdischen Katakomben aus dem 19. Jahrhundert, in denen einst die Tausenden von Pferden der Eisenbahngesellschaft untergebracht waren. Wenn man heute durch diese Backsteingewölbe blickt, wo lebensgroße Bronzestatuen von Pferden an die Vergangenheit erinnern, während daneben futuristische Cyber-Mode und Vintage-Klamotten verkauft werden, ist das ein faszinierendes optisches Erlebnis. Auch die berühmten, dreidimensionalen Riesenskulpturen an den Hausfassaden der Camden High Street – von gigantischen Sneakern bis zu Drachen – sind eine ganz eigene Form von Street Art.
Hier spürt man noch den Geist von Amy Winehouse (der hier sogar ein Denkmal gesetzt wurde), den Clash of Cultures von Punk, Goth, Mod und Hippie. Auch wenn der Markt heute stark touristisch geprägt ist, abseits der Hauptwege findet man sie noch: die eigenwilligen Antiquitätenläden, unabhängige Designer, die handgemachten Schmuck verkaufen, und Stände mit obskuren Vintage-Schätzen. Es ist der perfekte Ort, um das „andere“, nonkonformistische London aufzusaugen und sich treiben zu lassen.




















Mein Reise-Fazit: Ein Fest für die Sinne (mit glücklichem Timing) Was für eine Reise! Trotz des fünfstündigen Zug-Krimis gleich zu Beginn in Paris haben wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen. Auch wenn wir die Gerhard-Richter-Ausstellung schweren Herzens streichen mussten, war es pures Glück, dass wir es noch haarscharf innerhalb unseres gebuchten Zeitfensters in den Louvre geschafft haben. Dieser Abend bei den alten Meistern war der perfekte, wohlverdiente Trostpreis für den anfänglichen Bahn-Stress.
Und London hat im Anschluss einmal mehr bewiesen, dass es die unangefochtene Kulturhauptstadt ist. Die Mischung macht es einfach aus: Die ehrwürdige Geschichte im V&A, das langersehnte Wiedersehen in der National Portrait Gallery, das hochkarätige Kunst-Speed-Dating in der National Gallery, die tiefen, emotionalen Welten von Chiharu Shiota und Yin Xiuzhen in der Hayward Gallery und schließlich der wilde, lebendige Aufprall auf dem Camden Market.
Und die Rückreise? Die lief zum Glück völlig wie am Schnürchen! Im Eurostar ging es zurück aufs Festland und von dort mit dem TGV in einem Rutsch reibungslos durch bis nach Karlsruhe. Keine Verspätungen, kein Defekt – einfach nur entspannt die Landschaft an sich vorbeiziehen lassen und die unzähligen Eindrücke im Kopf sortieren. Paris und London im Winter sind intensiv, ein bisschen unvorhersehbar und machen vor allem eins: Lust auf das nächste Mal!











